NRD-Altenhilfe

Ein Stück Heimat, nah am alten Zuhause

05.03.2018

Ein Stück Heimat, nah am alten Zuhause

Er im Pflegeheim, sie in der Servicewohnung – das Ehepaar Weißer aus Trautheim lebt im Haus am Fliednerplatz unter einem Dach.

Als Architekt hat Christian Weißer die Turnhalle der Pfaffenbergschule Nieder-Ramstadt und die Schwimmhalle in Griesheim einst geplant. Ebenso das Haus in Trautheim, das er jahrzehntelang mit seiner Familie bewohnte. Weil er gut und gerne Klavier spielte, begleitete er in seiner Freizeit viele Gottesdienste der Landeskirchlichen Gemeinschaft Nieder-Ramstadt. Das kann er heute nicht mehr tun. Nach zwei Schlaganfällen wurde Christian Weißer 2010 pflegebedürftig und musste in ein Darmstädter Pflegeheim umziehen. Mit der Eröffnung der NRD-Altenhilfe 2013 holte seine Frau ihn zurück in ihre Nähe, seit 2015 wohnt sie im Haus am Fliednerplatz mit ihm unter einem Dach.

Die NRD-Altenhilfe, die das einzige stationäre Pflegeangebot in Mühltal vorhält, wurde unter zeitgemäßen Aspekten konzipiert. Neben den 48 stationären Plätzen mit Angeboten der Kurzzeitpflege hat im Haus am Fliednerplatz auch die ambulante Diakoniestation ihren Sitz. Daneben gibt es die Tagespflege mit zwölf Plätzen. Und unterm Dach am Fliednerweg 3 befinden sich sieben Mietwohnungen, sogenannte Service-Wohnungen, in denen sich Mieter selbst versorgen, aber um sonst nichts kümmern müssen. Küche, Bad, Waschmaschine und Trockner, Telefon-und Fernsehanschluss, Winterdienst und die Pflege der Grünanlagen – alles ist im Mietpreis enthalten.

„Das fand ich ideal für mich“, sagt Gertrud Weißer, „deshalb habe ich mich von unserem Haus in Trautheim getrennt und bin hier eingezogen. Mein Mann ist nur ein Stockwerk tiefer in der Hausgemeinschaft 3 untergebracht und wir verbringen fast den ganzen Tag zusammen.“ Die 82 Jahre alte Dame, körperlich und geistig sehr fit, hatte sich das eigentlich anders gedacht: „Ich hatte gehofft, der Zustand meines Mannes würde sich verbessern und wir könnten überwiegend in der geräumigen Dachwohnung am Fliednerplatz zusammen leben.“ Doch es ist anders gekommen. Christian Weißer, 81, kann nicht mehr sprechen und inzwischen nichts mehr ohne Assistenz selbst tun. Neuerdings wird sogar ein Lifter benötigt, damit er vom Bett in den Rollstuhl wechseln kann.

Seine Frau ist froh, ihm nahe sein zu können und hilft bei Assistenz tatkräftig mit. „Morgens um halb neun komme ich herunter und reiche ihm das Frühstück. Dasselbe beim Mittag- und beim Abendessen. Mein Mann braucht fast eine Stunde für eine Mahlzeit, soviel Zeit können die Mitarbeitenden hier kaum für einen Menschen aufbringen. Ich lese ihm auch viel vor und wir hören zusammen Musik. Mein Mann liebt Musik und ich kann ihm ansehen, wenn es ihm gefällt.“ Ihre Wohnung unterm Dach hat Gertrud Weißer gemütlich eingerichtet. Viele Bücher stehen im Regal, im Wohnzimmerschrank bewahrt sie teure Erinnerungen an ihre Mutter und ihre Tante, mit denen sie und ihre Geschwister im Zweiten Weltkrieg aus Pommern flüchten mussten. Das russische Alphabet mit Übersetzung in deutsche Lautschrift hängt im Türrahmen ihres Schlafzimmers. Dort steht auch Gertrud Weißers Computer, den sie als Schreibmaschine benutzt: “Internetanschluss brauche ich nicht, aber ich schreibe Briefe und andere Texte am PC“, sagt sie. Texte schreibt sie zum Beispiel für den Gemeindebrief der evangelischen Kirchengemeinde Traisa, der die Weißers als Trautheimer lange angehörten. Bis heute ist die gelernte Bibliothekarin auch Korrekturleserin für den Gemeindebrief Traisa. Seit sie am Fliednerplatz wohnt, gehört sie zur Kirchengemeinde Nieder-Ramstadt, die zum 1. Januar mit der Lazarusgemeinde der Nieder-Ramstädter Diakonie fusionierte. Auch hier besucht sie nicht nur regelmäßig den Gottesdienst, sondern ist ehrenamtlich im Besuchsdienst aktiv. Menschen ab 75 bekommen an jedem Geburtstag einen Besuch und Glückwunsch von der Kirchengemeinde. Gertrud Weißer betreut die Straßen rund um den Fliednerplatz. Die Silberne Ehrennadel der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hat sie für ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement schon 2011 erhalten.

Von Hause aus eng mit der Kirche verbunden – ihr Vater Wolfgang Sucker folgte 1964 Martin Niemöller im Amt des Kirchenpräsidenten – und bis heute für zwei Mühltaler Kirchengemeinden aktiv, fühlt sich Gertrud Weißer wohl beim diakonischen Träger der Altenhilfe am Fliednerplatz. „Alle 14 Tage kommt der ambulante Dienst zum Putzen. Boden und Fenster mache ich nicht mehr selbst. Und wenn wir spazieren gehen, bin ich froh, dass eine Alltagsbegleiterin den Rollstuhl meines Mannes schiebt.“ Das ehemalige Heimgelände der NRD ist den Weißers seit den 1980er Jahren bestens vertraut. Es ist ein Stück Heimat, nah am früheren Zuhause: „Mein Mann hat im Kirchenchor Traisa gesungen und war mit dem Chor an jedem Jahresfest der NRD dabei.“

Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie

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